Toter Fisch

Instagram oder mein Fenster zur Welt

Ich war nie ein Riesen-Fan von Facebook und anderen Netzwerken. Ich habe sie benutzt und mich teilweise über die vielen Likes für die schrägsten Posts gewundert. Der „Ich hole mir gerade einen runter“-Post bekommt viel mehr Likes als das Teilen eines wichtiges Zeitungsartikels oder einer Petition.

Und trotzdem hat mir Social Media mehrmals geholfen. Als ich in der Elternzeit allein zuhause saß, war Facebook mein Fenster zur Welt und hat mich an Vielem teilhaben lassen, was da draußen geschah.

Seit Januar nutze ich Instagram. Am Anfang dachte ich, wie immer: Willst du wirklich noch ein Netzwerk? Lohnt sich das? Aber da es irgendwie auch mein Job ist in allem vernetzt zu sein, dachte ich: Probier es und wenn es schlecht ist, dann wird es eben nicht genutzt.

Am Anfang lud ich natürlich die obligatorischen schönen Kinderfotos hoch. Und ja, sie sind beliebt und ich lade nur diejenigen hoch, die internen Witz haben oder sehr ästhetisch sind. Ich fragte mich auch, ob ich damit nicht ein wenig die Privatsshpäre meiner Tochter verletze. Dann sah ich, dass Freunde von mir und viele Menschen, die hunderte oder tausende Follower haben, auch ihre Kinderfotos hochladen und dachte, naja, wenn ich zu viele Follower haben, werden die paar Kinderfotos halt wieder raus genommen.

Nach und nach lud ich meine etwas künsterlichen Fotos hoch. Sie kamen sehr gut an und ich hatte gleich ein paar neue Follower. Ich dachte immer, dass nur wenige Menschen solche Bilder wie ich machen, die an sich schon sehr speziell sind. Aber weit gefehlt! Ich fand heraus, dass es eine riesen Community gab, die solche Fotos macht. Gefühlt handelt es sich bei meiner Community um halb Spanien! Am Anfang schwang nur kurz eine Enttäuschung mit. Aber kurz darauf freute ich mich auf die Bilder der anderen und auf den Austausch mit Ihnen.

Nach und nach fand ich Illustratoren, Maler, Comic-Zeichner und Künstler überall auf der Welt, die Dinge malten, die mir sehr gut gefielen. Ich folgte Ihnen und hatte ständig Lust Bilder zu malen und diesen oder jenen Stil aufzugreifen. Ich hatte plötzlich viele gute und zwar eigene Ideen, so sehr inspirierten mich ihre Bilder.

Ganz zögerlich begann ich eigene Bilder hoch zu laden. Ich bekam ein sehr gutes Feedback und weitere Follower. Inzwischen bin ich mit tollen Künstlern aus aller Welt vernetzt. Sogar erste Selfpublisher gehören dazu. Es ist grandios und sehr bereichernd. Inzwischen nutze ich ständig Instagram und bin etwas süchtig danach. Ich mache Bilder jetzt immer für meine Commuity und freue mich schon bei der Planung der Bilder, sie ihnen später zu zeigen und ihr Feedback zu bekommen.

So habe ich mich entgegen meines zu Beginn fehlenden Selbstvertrauens doch dazu durch gerungen, mein erstes Buch selbst zu illustrieren. Ich dachte: Versuch es einfach. Und ich habe für einige Bilder ein überwältigendes Feedback bekommen, dass mich sehr gefreut hat. Ich werde also weiter malen und während meine Probeleser und meine Korrektorin noch am Lesen sind, stelle ich die letzten Bilder fertig. Kaum getrocknet, muss ich das Bild schnell einscannen und hoch laden, weil ich das Feedback gar nicht erwarten kann.

Durch Instagram habe ich mich in wenigen Monaten sehr viel mehr weiter entwickelt als in Jahren zuvor.

Schreibt mir, wenn ihr ähnlich tolle oder negative Erfahrungen mit Netzwerken gemacht habt.

Mein Instagram-Profil heißt pippas_welt

Der Sprung

Ein Hoch auf die Einfachheit oder wie finde ich die passende Nische?

Meine Tochter liebt Miffiy, den kleinen Hasen, der vom holländischen Maler Dick Bruna entworfen wurde. Ich mag ihn ehrlich gesagt auch. Ich mag sogar Hello Kitty – so wie meine Tochter – wegen ihrer Einfachheit. Vor einiger Zeit war ich also mit meiner Tochter in Utrecht im Dick-Bruna-Haus. Es war sehr inspirierend, zu sehen, wie einfach Dick Bruna zeichnet und wie erfolgreich seine Figur weltweit ist.

Normalerweise besuche in allen Städten, die ich besuche, ein Museum für moderne Kunst, weil ich moderne Kunst sehr mag. Ich habe aber zuweilen Probleme mit dem Maß der Abstraktion und verstehe manchmal nicht, warum die Zeichnungen von Keith Haring beispielsweise so viel mehr wert sind als richtig tolle Kinderbuch-Illustrationen. Aber das ist wohl eine Frage des Marktes und nicht der Kunstfertigkeit. Ich merke jedoch, dass ich die Einfachheit mag und schätze. Und so geht es mir nicht nur beim Zeichnen, sondern auch beim Schreiben.

Ich dachte so einige Male beim Lesen moderner deutscher Lyrik, es ist mir zu hoch und ich werde wohl kein berühmter Lyriker werden. Ich mag die einfache Sprache. Ich liebe kurze Sätze. Ich ziehe gerne das Verb im Satz nach vorne. Ich liebe englische Literatur für ihre bildliche Sprache. Und keine Sorge – ich kriege den Bogen zu Miffy noch!

Ich liebe einfache Dinge, einfache Zeichnungen und einfache Sprache. Ich selbst zeichne sehr einfach und ich schreibe genauso. Kleine Kinder lieben meine Bilder und auch meine Geschichten. Im Gegenteil, Erwachsene finden meine Geschichten und Bilder manchmal suspekt, weil sie nicht wissen, wie sie die Einfachheit bewerten sollen, während Kinder einfach staunen und lachen. Eltern denken im Bezug auf Kunst in Schubladen und wenn sie etwas nicht einordnen können, dann haben sie plötzlich auch keine Meinung.

Ich habe immer wieder festgestellt, dass das wohl meine Nische ist: Ich passe einfach in das Genre Kinderbuch. Das wird mir immer mehr bewusst, vor allem, wenn ich Dick Brunas Zeichnungen sehe und die konsequente Einfachheit. Manchmal schäme ich mich meiner einfachen Bilder und ich frage mich, ob Dick Bruna das wohl auch tat. Aber eines ist sicher, er hat mit einem einfachen Hasen mehr Menschen erreicht als viele Maler, die Landschaften bis ins winzigste Detail nach zeichnen konnten und sicher auch mehr als viele Maler, die abstrakt malen.

Insofern hat mir ein Besuch im Dick-Bruna-Haus in Utrecht sehr viel Mut gemacht, meine Einfachheit zu pflegen und mich ihr nicht zu schämen. Ich denke, dass man seine Kunst ein Stück weit erkennen muss, um seine eigene Nische zu finden. Und es gibt tatsächlich einen Markt für ganz einfache Kunst! Ich habe im letzten Jahr einige Kunstkurse für Kinder angeboten und festgestellt, dass Kinder und auch Eltern sehr viel Spaß daran hatten neue und ganz einfache Dinge auszuprobieren.

Ich werde also bei meiner Einfachheit bleiben. Ich werde konsequent weiter Kinderbücher schreiben. Ich werde weiter viele schöne, einfache Figuren und Tiere malen. Ich werde mich nicht mehr verkünsteln oder zwingen eine ultimativ neue, metaphorische oder avantgardistische Sprache zu finden. Ich werde auf die Teilnahme an diversen Wettbewerben in Zukunft verzichten und statt dessen meine begonnen Kinderbücher zu Ende schreiben und ich werde mehr malen, auch wenn Erwachsene nicht wissen, was sie damit anfangen sollen.

Ein Blick in holländische Galerien und Wohnzimmer, aber auch zu einigen spanischen und amerikanischen Künstlern hat mir gezeigt, dass es Länder gibt, in denen einfache Zeichnungen und sogar Illustrationen durchaus als Kunst gelten. Nur in Deutschland gibt es eine strikte Trennung zwischen Kunstmarkt und Illustration. In den meisten Ländern ist der Illustrator auch Künstler. Und ich finde diese Sichtweise sehr entspannend. Die vielen spanischen und amerikanischen Künstler, mit denen ich auf instagram verbunden bin, bestärken mich in dieser Sichtweise.

Fazit: Erkennt, was ihr am liebsten und am besten tut. Und selbst wenn es die deutsche Schubladen-Sicht manchmal schwer macht, macht weiter in eurer Schublade.

Und zuletzt: Ein Blick ins Ausland ist manchmal nicht nur inspirierend, sondern auch sehr entspannend!

Illustration als Storytelling

Ich habe mich lange gefragt, warum ich die Illustrationen bestimmter Verlage mit ellenlangen Programmen nicht mag und warum mir die Kinderbücher der kleinen Verlage meist sehr gut gefallen. Tatsächliche sieht man an den Büchern bestimmter Verlage, dass die Illustratoren sich sehr viel Mühe gegeben haben. Genau erklären konnte ich das trotzdem nicht. Ich dachte, es hätte einfach nur mit meinem persönlichem Geschmack zu tun. Jetzt habe ich mir endlich das Buch „Children’s Picturebooks“ von Salisbury/Styles bestellt. Ich wollte mich schon lange in das Thema einlesen. Und auch, wenn es tiefer ins Detail gehen könnte und auch gerne wissenschaftlicher sein könnte (entwicklungspsychologisch z.B.), so bietet es eine guten ersten Überblick darüber, wie Kinderbuch-Illustration funktioniert.

Ich überarbeite gerade meine Kinderbücher und überlege diese teilweise selbst zu illustrieren und obwohl ich schon ein bisschen zeichnen kann und meine Tochter meine Bilder liebt, sehe ich nun die großen Herausforderungen, die an eine Kinderbuch-Illustration gestellt werden.
Hier fasse ich für alle Interessierten einige Details zusammen, was das Lesen eines Fachbuches aber nicht überflüssig machen soll.

1. Illustration ist eine Form von Kunst und dies trifft vor allem bei Kinderbüchern kleiner Verlage zu. Hier scheint man sich sehr viel MÜhe und Zeit zu nehmen, wirklich innovative Illustratoren mit eigener Technik, Bildsprache und innovativen Ideen zu suchen. Man sieht förmlich, dass die Illustration sehr viel Arbeit und Talent erfordert hat.
Illustrationen großer Verlage, die sehr viele Bücher pro Jahr herausbringen, erwecken manchmal den Eindruck, als hätten die Bücher alle einen ähnlichen Stil und vor allem einen, den man seit Ewigkeiten kennt. Weder Technik noch Bildsprache sind herausragendes oder innovativ.

2. Das Storytelling, oder genauer, die Illustration erzählt eine Geschichte. Sie ist nicht nur Beiwerk, sondern erzählt die Geschichte in einer eigenen Bildsprache. Sie fügt neue oder andere Asprekte und Sichtweisen zur Geschichte hinzu. Sie lässt den Leser tiefer in die Geschichte eindringen oder die Geschichte hinterfragen. Sie interagiert also mit dem Text. Illustrationen, die mir nicht gefallen, wiederholen einfach das Erzählte ohne eine besondere Sichtweie zum Text beizutragen.

3. In dem Buch Children’s Picturebooks sind viele Zitate und Interviews junger Leser. Sie sind unglaublich interessant. Sie zeigen, wie viel Kinder aus Bildern heraus lesen. Kinder, so scheint mir, haben eine ausgeprägte Fähigkeit Bilder zu lesen, ihre Bildsprache zu verstehen und sie mit Emotionen zu verbinden. Vielleicht können Kinder das sogar viel besser als wir Erwachsenen. Kinder haben in unserer stark visuellen Welt und aufgrund der vielen Medienangebote (allein die Menge an Werbegrafik in einem Supermarkt oder auf den Straßen ist für Kinder überwältigend) sehr hohe Ansrpüche, was Grafik angeht.

4. Kinder beziehen die Darstellung direkt auf sich. Sie identifizieren sich inzwsichen schon sehr früh mit Farben (pink/blau), als auch mit bestimmten Rollen (Pirat/Prnzessin). Auch hier gilt es keine Fehler in der Darstellung zu machen, damit die Zielgruppe das Buch nicht direkt aussortiert. So ist es besonders anspruchsvoll eine geschlechtsneutrale Figur und Farbgebung zu finden, um beide Geschlechter anzusprechen. Kinder haben je nach Alter selbst bei Art und Detailtreue der Darstellung Vorlieben. Hier kann man ebenfalls schnell an der Alters-Zielgruppe vorbei illustrieren.

Ich kann ein solches Fachbuch nur jedem empfehlen, der überlegt seine Kinderbücher selbst zu illustrieren. Parallel habe ich einen Grafiker mit der Illustration eines anderen Buches beauftragt und bin sehr gespannt, welche Bilder er mir am Ende präsentieren wird.

Es würde mich sehr interessieren, von anderen Autoren zu hören, welche Erfahrungen sie mit Illustration und Covergestaltung gemacht haben.